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Sicherheit

Samstag 20. April 2019, von klaus++

Die Polizei konnte das historische Bauwerk Notre-Dame de Paris nicht schützen. Zu groß waren die Kräfte am Werk, die Dachstuhl und mittleren Turm der Kathedrale zum Einsturz brachten.

Polizeiauto und Touristen vor Notre-Dame de Paris {JPEG}
Was Berlin sein neuer Flughafen ist Paris seine Kathedrale, wobei in Berlin Milliarden in den märkischen Sand gesetzt werden, um dem Flughafen und seinen Reisenden das Schicksal der gotischen Kirche zu erspraren.

Die Fehler aus der unmittelbaren Vergangenheit ähneln sich so sehr, daß eine gemeinsame Ursache genauso für die finanzielle wie für die Feuerkatastrophe naheliegen. Anstelle Bauarbeiten durch einen erfahrenen Spezialisten ausführen zu lassen, eine traditionelle Dombauhütte respektive einen routinierten Flughafenbauer, erzwingt die Logik von angeblich kostenminimierenden Ausschreibungen pro LOT die Vergabe an den billigsten Bewerber.

Diese Baufirma mag fachlich noch so kompetent sein, die Preisdrückerei zwingt sie zur Beschäftigung billiger Subunternehmer oder gering qualifizierter Arbeiter. Wenn dann noch Sub-Sub-Unternehmen und babylonische Sprachverwirrung auf der Baustelle dazu kommen, wird die Produktion von Mängeln und Fehlern zur Hauptbeschäftigung der Arbeitenden. Man könnte auch sagen, das macht der neoliberale Geist.

Die Baustelle wird so komplex, daß sie nicht mehr beherrschbar ist. Davon zeugen in Berlin das Kommen und gehen verschiedener Bauleitungen und die nicht gezahlten Löhne betrogener Bauarbeiter aus Osteuropa.

Die Berliner Flughafenbaustelle hat nach der letzten Beseitigung der gröbsten Gefahren noch über dreizehntausend Mängel. Im Dachstuhl von Notre-Dame genügte nur ein Fehler, um Dach und Turm im Feuersturm einstürzen zu lassen.

Man möchte rufen "seht ihr, small is beautiful, werdet bescheidener und ihr werdet bessere Ergebnisse erzielen". Leider ist es damit nicht getan, denn die Mächtigen brauchen Größe um gegen andere Große im Konkurrenzkampf zu bestehen. Im Grunde bleibt den Entscheidern nur, so weiterzumachen wie bisher, denn echte Lösungen, eine Abkehr vom dauernden Wachstum, sehen sie als Schwäche, als Vorboten des eigenen Untergangs.

Wir wollen keine Spende von Milliardären, die sich damit ein Denkmal setzen, sei es als Pariser Kathedrale oder als Berliner Schloß. Die sollen am Boden bleiben und Steuern zahlen, damit wir uns alle ein Dach über dem Kopf, gesundes Essen und, wenns soweit ist, die neuen Zähne leisten können.

Wir wollen keinen neuen Flughfen, der uns mit Dreck und Lärm noch kränker macht. Wir wollen keine Arbeit, die uns zwingt Fehler zu machen, weil sie sorgfältig ausgeführt nicht zu schaffen ist. Wir wollen eine Kathedrale, auf die wir stolz sein können, weil unsere Leute sie auf unseren Beschluß sorgfältig gebaut haben.

Es liegt an den Vielen, den neunundneunzig Prozent, an uns, Einhalt ! zu rufen und uns gegen alle zur Wehr zu setzen, die den Rufer knebeln, den Ruf verstummen lassen wollen.

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