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Religiöse Fundsache

Donnerstag 17. März 2011, von klaus++

Vorgestern: Vorstandstreffen des Fördervereins für die Grundschule der Kleinen. Eine Mutter berichtet, daß vor der Schule Bibeln verteilt wurden.

Eigenartig, denke ich, es gibt doch Religionsunterricht für alle, die es wünschen sogar IN der Schule. Ich frage, um was für Bibeln es sich handelt. Das ist nicht bekannt, im Gespräch stellt sich heraus, daß "die Gideons" die Bibelverteiler waren.

Das interessiert mich: Wer möchte sich da einen Platz in den Köpfen meiner Kinder sichern? Ich erinnere mich noch an meine eigene religiöse Erziehung in einer besseren konfessionellen Grundschule. Da wurde viel schlechtes Gewissen verbreitet. Das wünsche ich meinen Kleinen nicht.

Auf den WWW-Seiten von The Gideons International lese ich dann, um was für Bibeln es geht: Das Alte Testtament fehlt, der Text ist bereinigt und nicht für textkritische Arbeit geeignet. Reden wir nicht über Konkordanz. Aus einem der größten Werke der Menschheitsgeschichte wurde ein Pamphlet gemacht.

Die Gideons sagen ganz offen, worum es ihnen geht: „DIE BIBEL zeigt den Willen Gottes, die Situation des Menschen, den Weg zum ewigen Leben, das Schicksal des Sünders und die Freude des Glaubenden. Ihre Lehren sind göttlich, ihre Gebote bindend und ihre Berichte wahr. (...) Der Verantwortung gegenüber den Aussagen der Bibel kann sich keiner entziehen.“

Das ist eine Drohung an alle, die ihren Glauben nicht teilen. Es geht nicht darum, daß ich womöglich nicht in den Himmel komme. Nein, ich bin verantwortlich dafür, mich so zu verhalten, so zu denken und zu fühlen, wie sich das missionarische Kleingeister vorstellen, die nicht einmal Respekt vor ihren eigenen Wurzeln haben. Gehorche ich nicht, werde ich mit einem, leider nicht genauer beschriebenem, Übel bedroht.

Mal nachdenken, womit haben Christen seit Gründung ihrer Religion jene bedroht, die nicht nach ihrer Pfeife tanzen wollten? Jetzt wird mir klar, warum Bibelverteiler vor der Schule bleiben müssen: Wer Menschen bedroht und sich nur mit Formulierungstricks vor Strafverfahren wegen Nötigung schützt, der hat in öffentlichen Schulen nichts zu suchen. Besonders wenn er einen direkten Draht zu Gott hat, angeblich.

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